Japanische Teezeremonie

Die hohe Kunst Tee zu trinken

 

„Chanoyu muss mit dem Herzen, nicht mit der Hand getan werden. Tu es, ohne es zu tun – in der Ruhe deines Herzens.“ (Sen Sotan, Japanischer Teemeister, 1578 – 1658)

 

GeichaChanoyu, das ist eine der japanischen Bezeichnungen für Teezeremonie, wörtlich übersetzt heißt es so viel wie „heißes Wasser für den Tee“. Dies wird allerdings dem, was sich dahinter tatsächlich verbirgt, bei weitem nicht gerecht. Chanoyu, oder auch Cha Do, „der Weg des Tees“, steht in seiner philosophischen Ausrichtung der Zen-Philosophie sehr nahe, denn es waren die Zen-Mönche, die im 12. Jahrhundert den Tee von China nach Japan brachten. Und so spross aus dem gedanklichen Boden des Zens, der intuitiven Suche nach dem Wesen des Wirklichen, die Japanische Teezeremonie, entwickelt von Teemeistern, die auf den Regeln des Zen-Buddhismus Raum für die Ästhetik des Tees schufen. Teemeister Sen Rikyu (1522 – 1591) war es schließlich, der das Teeritual als Cha Do begründete. Es geht also um viel mehr, als nur genussvoll Tee zu trinken, es geht um eine Philosophie, um einen Pfad, den es zu beschreiten gilt, der ins Innere führt, nämlich in die Ruhe unseres Herzens, wie es Sen Sotan, Teemeister und Enkel Sen Rikyus, einst beschrieb.

 

Der Pfad ins Herz

In diesem Sinne folgt die Japanische Teezeremonie einem bestimmten komplexen Ablauf und ebensolchen Regeln. Es ist eine meditative Zusammenkunft, bei der einem oder mehreren Gästen von einem Gastgeber Tee und leichte Speisen gereicht werden. Damit der Gast Raum zur inneren Einkehr erfährt, fi ndet die Zeremonie in einem schlicht eingerichteten Teehaus statt. In diesem Rahmen werden Harmonie, Reinheit, Mitgefühl, Schönheit und Romantik verehrt, so dass sich alle Beteiligten für eine kurze Weile vom tristen, schmutzigen Alltag entfernen und innerlich reinigen können. Der Begriff Cha Do, der Weg des Tees, macht es vielleicht am deutlichsten, man folgt dem reinen Pfad des Tees, in der Hoffnung, diese Reinheit möge Herz und Seele berühren und verwandeln. Im „Buch vom Tee“ heißt es, der Cha Do sei eine Verehrung des Unvollkommen, ein zarter Versuch, etwas Mögliches zu vollenden, in dem Unmöglichen, das wir als Leben bezeichnen. Er sei Ästhetik, Ethik und Religion, drücke die japanische Auffassung von Mensch und Natur aus. Da wundert es natürlich nicht, dass ein Teemeister in der Regel mehrere Jahrzehnte braucht, bis er den „Weg des Tees“ wirklich beherrscht.

 

Ein Schritt auf dem Weg

Ein zarter Versuch, etwas Mögliches im Unmöglichen zu vollenden – das ist sicher nicht nur sagenhaft poetisch, sondern beschreibt auch die Sehnsucht vieler Menschen in unserer Kultur. Und vielleicht ist dies ein Anstoß, im eigenen Alltag hin wieder kleine Teezeremonien mit lieben Gästen zu zelebrieren. Auch wenn der Weg zum Teemeister für die meisten unter uns vermutlich weit ist, kann der Cha Do dem einen oder anderen sicher wunderbare Anregungen für die eigene Suche nach Ruhe, Schönheit und Reinheit geben, frei nach Sen Sotans Rat an seine Schüler: „Der Teeweg kann nicht in ein System gebracht und auch nicht in Regeln zusammengefasst werden, denen man folgen muss. Es ist ausreichend, wenn Ihr etwas Nützliches aus meinen täglichen Gedanken über Tee entnehmen könnt.“ Und vielleicht können Sie genau in diesem Sinne aus den folgenden Tee-Gedanken etwas Nützliches für Ihren ganz persönlichen Weg des Tees entnehmen.

 

Sen Rikyus vier Grundprinzipien des Cha Dos:

WA – Harmonie

KEI – Achtung und Ehrerbietung

SEI – Reinheit

JAKU – Ruhe und Gemüt

 

Achten Sie auf gutes Wasser für Ihren Tee

„Klares Gebirgsquellwasser ist das beste Teewasser, Flusswasser ist gutes Teewasser, Wasser aus dem Brunnen ist weniger gut geeignet.“ (Lu Yü, Cha`a-ching, 5. Kapitel) Teewasser kochen: Lassen Sie das Teewasser nicht einfach kochen, bleiben Sie dabei und achten Sie darauf, dass es nicht zu lange kocht. Es werden drei Siedephasen unterschieden, die erste, wenn das Wasser gerade am Siedepunkt ankommt und leicht rauscht, die zweite, wenn das Wasser perlt, die dritte, wenn das Wasser in Wallung ist. Kocht das Wasser dann noch weiter, ist es überkocht und nicht mehr zur Teezubereitung zu genießen.

 

So kochen Sie Grünen Tee

Sieben Teeregeln von Rikyu und Sokei

  1. Wenn die Gäste in das Wartehäuslein gekommen sind und sich dort alle gleichgesinnten Teilnehmer versammelt haben, kündigt sich der Gastgeber durch Schläge auf den hölzernen Gong an.
  2. Was die Handreinigung angeht, so ist das Wichtigste auf diesem Wege die Läuterung des Herzens.
  3. Der Gastgeber muß den Gästen in aller Ehrerbietung entgegengehen und sie in den Teeraum geleiten. Ist der Gastgeber ein Mensch ohne Haltung und Einfall und auch das Gerät für Tee und Speisen ohne Geschmack und die Bäume und Felsen des Teegartens in ihrer natürlichen Anlage und Planung unbefriedigend, dann gehe man schleunigst wieder heim.
  4. Sobald das siedende Wasser wie der Wind in den Kiefern rauscht und der Klang eines Gongs ertönt, betreten die Gäste zum zweiten Male den Tee-Raum. Unverzeihlich ist es, den rechten Augenblick bei Wasser und Feuer zu versäumen.
  5. Weder in noch vor dem Tee-Raum das Gespräch weltlichen Dingen zuzuwenden, das ist ein Gebot seit altersher.
  6. Bei einer wahren Versammlung dürfen weder Gast noch Gastgeber schöne Worte und glatte Minen Zugang fi nden lassen.
  7. Eine Versammlung darf zwei Doppelstunden nicht überschreiten. Wird aber im Gespräch über die Budda-Lehre und ästhetische Fragen die Zeitspanne überschritten, so ist das nicht verwerflich.

Cha wa fuku no joki jo ni

Bereite eine köstliche Schale Tee;

 

sumi wa yuno waku jo ni oki

ordne die Holzkohle so, dass sie das Wasser erhitzt;

 

hana wa no no hana yo ni ike

ordne die Blumen so, wie sie auf dem Felde wachsen;

 

fuyu wa atataka ni natsu wa susushiku

im Sommer rufe ein Gefühl der Kühle hervor, im Winter warme Geborgenheit;

 

kokugen wa hayamani

bereite alles rechtzeitig vor;

 

furasutomo ame no yoi

stelle Dich auch auf Regen ein und

 

eikyaku ni kokoro seiyo

gib denen, mit denen Du Dich zusammenfi ndest, Dein ganzes Herz.

(Sen no Rikyu)